Gütekriterien des 20-Cents-Test (20-C-T)

Zu den Funktionen, die sich bei älteren Menschen häufig so stark verschlechtern, dass sie einige Tätigkeiten nicht mehr selbstständig ausführen können, gehört die Feinmotorik der Hände. Dieser Bereich der Motorik wurde im Assessment geriatrischer Patient/innen selten standardisiert mit einem Performance-Test erfasst, denn die Verfahren erfordern oft spezielle Testmaterialien, viel Erfahrung oder sind zeitaufwändig.

Beim 20-Cents-Test (auch 20 Coins Test) werden lediglich 20 1-Cent-Münzen, ein Blatt Zeichenblockpapier und ein Auffanggefäß (z.B. leere 150 ml Cremedose) benötigt. Es wird jeweils die Zeit gestoppt, bis die rechte bzw. linke Hand die Münzen mit den Fingerspitzen aufgenommen und in das Gefäß transportiert hat (ist die Aufgabe nach 60 Sekunden nicht erfüllt, wird die Anzahl der bis dahin in das Gefäß gelegten Münzen notiert, z.B. „5 Cents in 60 Sekunden“). Der Test kann auch von kognitiv eingeschränkten Menschen und bei mäßig eingeschränktem Sehvermögen durchgeführt werden.

In der 2012 durchgeführten Validierungsstudie an 300 geriatrischen Patienten (stationär, tagesklinisch und ambulant) konnten sämtliche Hände, die den Test in maximal 30 Sekunden absolvierten, auch alle Alltagstätigkeiten bewältigen. Leichtere feinmotorische Defizite, die noch kompensiert werden konnten, wurden mit einer Sensitivität von 86,8% erkannt bei einer Spezifität von 47,3%. Bei Überschreiten von 40 Sekunden besteht der Verdacht auf eine Störung der feinmotorischen Alltagsfähigkeiten, bei Zeitbedarf von über 50 Sekunden ist dieser weitgehend gesichert - auch ohne entsprechende anamnestische Angaben (Spezifität 95,2%). Es werden bei geriatrischen Patient*innen keine geschlechts-, seiten- oder altersbezogen unterschiedlichen Grenzwerte benötigt, auch mit US-amerikanischen Cents zeigen sich sehr ähnliche Ergebnisse.

Der 20-Cents-Test ermöglicht je nach gewähltem Grenzwert die seitengetrennte Früherkennung oder den weitgehenden Ausschluss der für die Alltagsbewältigung erforderlichen Feinmotorik der Hände und ist als Verlaufsparameter geeignet.

Zeitraum
10/2011 – 12/2013

Ansprechpartner
Dr. Sonja Krupp
Mail: krupp(at)geriatrie-luebeck.de