Gütekriterien des Six-Item Screener

Demenzielle Erkrankungen und andere Defizite der Kognition sind bei geriatrischen Patient/innen häufig und ihre Erfassung wichtig für die Behandlungsplanung, daher sollen sie im Rahmen einer Krankenhausbehandlung frühestmöglich entdeckt werden. Am Aufnahmetag ist die Belastbarkeit geriatrischer Patient/innen jedoch oft stark herabgesetzt und die Konzentrationsfähigkeit auch ohne Vorliegen einer kognitiven Störung reduziert. Damit relativiert sich die Sinnhaftigkeit aufwändiger Testverfahren zu diesem Zeitpunkt.

Der aus den bei einer Alzheimer-Demenz am frühesten anschlagenden Aufgaben der breit eingesetzten Mini Mental State Examination nach Folstein konstruierte Six-Item Screener (SIS) dauert etwa eine Minute, ist leicht erlernbar, erfordert kein Material und ist unabhängig von der Sehfähigkeit und Handfunktion. Die Erstveröffentlichung erfolgte 2002 durch Callahan, der die von der FGL vorgenommene Übersetzung ins Deutsche genehmigte.

Wir überprüften die Gütekriterien der deutschen Version an 165 Patienten der Akutgeriatrie. Sie absolvierten in den ersten 16 Tagen viermal den SIS und je zweimal die Mini Mental State Examination, den Uhrentest nach Shulman und den Regensburger Wortflüssigkeitstest. Als Referenzstandard diente das Urteil eines in Bezug auf diese Testergebnisse verblindeten Arztes unter Berücksichtigung des gesamten Krankenhaus-Aufenthaltes.

Bei keiner Person, die den maximalen Score (sechs Punkte) erreicht hatte, wurde im Verlauf der Verdacht auf eine leichte kognitive Störung geäußert, bei keiner mit mindestens fünf Punkten der Verdacht auf eine Demenz. Damit erwies sich der SIS bei einem Grenzwert von 5 Punkten als sensitiver als die Mini Mental State Examination bei Festlegung eines Grenzwertes von 25 Punkten. Der SIS korrelierte enger mit dem ärztlichen Urteil (-0,729) als die Mini Mental State Examination (-0,715). Die Retest-Reliabilität lag bei 0,705, die interne Konsistenz bei 0,821 (Cronbachs Alpha).

Bei Erreichen der vollen Punktzahl und fehlendem Verdacht auf eine kognitive Störung aufgrund von Anamnese oder klinischen Anhaltspunkten erübrigt sich damit eine weitere kognitive Testung im Rahmen des geriatrischen Basisassessments. Ansonsten kann das Ergebnis des SIS die Auswahl des individuell passendsten Instrumentes für eine weitere Testung der Kognition außerhalb der Aufnahmesituation unterstützen (Schwerpunkt Früherkennung versus manifeste kognitive Störung). Der SIS eignet sich auch für die Anwendung außerhalb geriatrischer Stationen.

Zeitraum
2015 - 2018

Ansprechpartner
Dr. Sonja Krupp
Mail: krupp(at)geriatrie-luebeck.de